Ein Bußgeld wegen überhöhter Geschwindigkeit wird in der Regel über eine Geschwindigkeitsüberwachungsanlage, im Volksmund auch Blitz genannt, ermittelt. Nachdem der Betroffene erwischt wurde, wird automatisch ein Bild durch dem Blitzer erstellt. Auf diesem Bild sind die wesentlichen Messergebnisse, wie z. B. ermittelte Fahrgeschwindigkeit, erlaubte Fahrgeschwindigkeit, ein Übersichtsfoto sowie ein Detailbild. Daneben wird ein Messprotokoll erstellt. Auch ist eine Eichung der Anlage und die Schulung des Mess- und Bedienpersonals vorgeschrieben. Das Model der Geschwindigkeitsüberwachungsanlage wird von der zuständigen Behörde technisch geprüft und zugelassen.

Im anschließenden Verwaltungsverfahren wird der Fahrer ermittelt und zunächst zur Tat angehört. Danach wird der Bußgeldbescheid erlassen. Gegen diesen kann innerhalb von 14 Tage Einspruch eingelegt werden. Nachdem der Einspruch bei der Behörde eingegangen ist, wird der Bußgeldbescheid erneut überprüft. Ist dieser rechtmäßig nach Ansicht der Behörde erfolgt, so wird die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese leitet das Verfahren dann an das zuständige Amtsgericht- Strafgericht – weiter. Das Amtsgericht wertet die Akte aus und setzt einen Termin zur mündlichen Verhandlung an. Zu diesen Termin werden, wenn nötig, Zeugen geladen. Der Betroffene ist zum Erscheinen in diesen Termin verpflichtet, es sei denn, es wird rechtzeitig vor der Eröffnung der mündlichen Verhandlung ein Entbindungsantrag gestellt. Dieser ist nur dann erfolgreich, wenn die Fahrereigenschaft eingeräumt wird und der Betroffene in Übrigen von seinem Schweigerecht gebraucht macht.

In der Regel ist das Messergebnis nicht erfolgreich anzweifelbar. Bei den Messverfahren handelt es sich um sogenannte standardisierte Messungen. Dies bedeutet, dass das Gericht bei vorliegen des Beweisfotos, des Messprotokolls, des Eichscheins und des Schulungsscheins von der Richtigkeit der Messung ausgeht. Der Betroffene muss bei einem standardisierte Messverfahren Messfehler darlegen. Einige auf Bußgeldbescheide spezialisierte Unternehmen bezweifeln dennoch die Messung. Insbesondere werden sogenannte Rohdaten zur Beweisaufnahme angefordert. Diese Rohdaten enthalten aber nur die im Bußgeldbescheid bereits enthaltene Daten, so dass dies keine erfolgreiche Verteidigungsstrategie ist. Auch die Datenkabellänge, die Schließung des Transportkoffers und ähnliches sind irrelevant für eine gültige Messung. Nur wenn das Messgerät fehlerhaft aufgebaut wurde, ist eine nicht verwertbare Messung gegeben. Da aber die Blitzer fast immer nach der Bedienungsanleitung aufgebaut werden und eine automatische Kontrolle besitzen, führt auch eine solche Fehlerquelle in der Praxis so gut wie nie zu einer unwirksamen Messung.

Der wichtigste Angriffpunkt bei einem Geschwindigkeitsverstoß ist die Bestreitung der Fahrereigenschaft. Hierbei darf unter keinen Umstand wissentlich eine Person angegeben werden, die nicht gefahren ist. Dies würde eine falsche Verdächtigung darstellen. Es genügt, wenn dargelegt wird, dass eine andere Person als Fahrer in Betracht kommt und dass die Fahrereigenschaft bestritten wird.

Sinnvoll ist das Vorgehen gegen ein Bußgeldbescheid in der Regel nur dann, wenn der Fahrer nicht hinreichend auf dem Beweisbild erkennbar ist, ein Fahrverbot durch Erhöhung des Bußgeldes vermeiden werden soll oder die Eintragung eines Punktes verzögert werden muss. Das Absehen von einem Fahrverbot ist nur dann möglich, wenn der Betroffene auf den Führerschein angewiesen ist. Wann dies von den Gerichten anerkannt wird, hängt insbesondere von der jeweiligen oberlandesgerichtlichen Rechtsprechung und den einzelnen Richter ab. In der Regel sollte dieses Ziel offen angesprochen werden, damit der oder die Richterin den Sachverhalt hierüber genügend ausforschen kann.

Die Folge einer Geschwindigkeitsüberschreitung können neben Verwarn- und Bußgelder die Eintragung in das Fahreignungsregister und bei einem Bußgeld über 60,00 € die Eintragung von Punkten sein. Welche konkrete Strafe droht, ist im Bußgeldkatalog festgeschrieben. Eine Verdoppelung des Bußgeldes und des Fahrverbotes kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die Tat vorsätzlich erfolge oder bereits Voreintragungen vorhanden sind.

Stellt sich während des Bußgeldverfahrens vor Gericht heraus, dass das Gericht von einer vorsätzlichen Tatbegehung ausgeht, so kann der Einspruch auf die Rechtsfolge beschränkt werden. Bei drohender Erhöhung des Bußgeldes kann der Einspruch zurückgenommen werden.