Eine gesetzliche Definition des Begriffes Chefarzt existiert nicht. Allgemein ist anerkannt, dass folgende Voraussetzungen erfüllt sein müssen:

Facharzttitel; Leitung einer Fachabteilung in einem Krankenhaus oder für Fachpraxis; Gesamtverantwortung für die Abteilung; Vorgesetzter des gesamten ärztlichen und nichtärztlichen Personals; Verantwortlichkeit für die Patientenversorgung.

Der Chefarzt ist in der Regel nur dem Krankenhausträger, dem Träger der Fachpraxis und dem ärztlichen Direktor verantwortlich. Der ärztliche Direktor ist in der Regel ein ausgewählter Chefarzt unter den Chefärzten eines Krankenhauses, einer Klinik, oder einer Praxis, der dem gesamten ärztlichen Dienst des Leistungserbringers vorsteht und den Dienst beaufsichtigt.

Auch für die Anstellung eines Chefarztes gilt die allgemeine Arbeitnehmerdefinition. Ist der Chefarzt in der Organisationsstruktur des Krankenhauses eingegliedert und weisungsgebunden gegenüber seinen Vorgesetzten, so ist dieser Arbeitnehmer.
Arbeitet der Chefarzt weisungsfrei und mit eigenen personellen – und sachlichen Mitteln, so spricht vieles für eine Selbstständigkeit. In der Regel ist davon auszugehen, dass auch ein Chefarzt Arbeitnehmer ist.

Auf den Chefarzt findet das Arbeitszeitgesetz nach § 18 Abs. 1 ArbZG keine Anwendung. Wie jeder Arbeitnehmer unterliegt  jedoch der Chefarzt allgemeinen Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz. Das Kündigungsschutzgesetz ist jedoch nur dann anwendbar, wenn der Chefarzt mindestens sechs Monate angestellt gewesen ist und mehr als elf Arbeitnehmer vorhanden sind. Der Chefarzt kann jedoch auch leitender Angestellter sein. Dies ist der Fall, wenn der Chefarzt selbstständig Personalentscheidungen wie Einstellung oder Entlassung von Mitarbeiter alleine vornehmen darf, § 14 Abs. 2 KSchG.

Das Bundesarbeitsgericht hat mehrfach bereits entschieden, dass Chefärzte keine leitende Angestellten im Sinne des §§ 5 Abs. 3 BetrVG sind. Dies wird damit begründet, dass Chefärzte keine unternehmerischen oder betriebsleitenden Entscheidungen treffen. Dies bedeutet, dass auch Chefärzte im Betriebsrat vertreten werden, den Betriebsrat wählen und in den Betriebsrat hinein gewählt werden können.

Ob ein Tarifvertrag für Chefärzte anzuwenden ist, ergibt sich aus dem jeweiligen vereinbarten Anwendungsbereich des Tarifvertrags. In der Regel sind Chefärzte jedoch davon ausgenommen. Individuell können jedoch Bezugnahmen vereinbart sein. In der Regel wird ein Grundgehalt und eine variable Vergütung vereinbart. Auch kann ein sogenanntes Liquidationsrecht vereinbart werden. Dies greift dann ein, wenn eine Chefarztleistung direkt mit dem Patienten vereinbart wurde. Die Höhe des Vergütungsanteils ergibt sich aus dem jeweiligen Arbeitsvertrag.

Ein Chefarzt kann auch befristet eingestellt werden. Auch die Vereinbarung einer Probezeit von max. 6 Monaten ist möglich. Eine Befristung zur Erprobung ist dann möglich, wenn innerhalb von sechs Monaten nicht damit gerechnet werden kann, dass die Qualität der Arbeit des Chefarztes zuverlässig beurteilt werden könnte. Dies wird in der Regel ausscheiden.

Der gesetzliche Urlaubsanspruch aus dem Bundesurlaubsgesetz sowie der Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz bei Krankheit oder Urlaub steht einem Chefarzt zu.

In der Regel stehen einem Chefarzt im Vergleich zum „normalen“ Arbeitnehmer weitere Rechte zu. Insbesondere werden einem Chefarzt Mitwirkungsrechte, wie ein Anhörung – und ein Vorschlagsrecht eingeräumt. Dies kann so weit gehen, dass einzelnen Maßnahmen nur bei einem Einvernehmen / einer Zustimmung des Chefarztes durchgeführt werden dürfen. Dies muss jedoch im Arbeitsvertrag einzeln vereinbart werden. Wurden keine Rechte vereinbart, so können sich aufgrund des tatsächlich gelebten Vertrages solche Ansprüche, aber auch aufgrund der Aufgaben des Chefarztes ergeben.

In vielen Chefarztverträgen ist geregelt, dass der Chefarzt in einem Umkreis von z.B. 20 km seinen Wohnsitz einzurichten hat (Residenzpflicht). Eine solche Vereinbarung ist nur dann wirksam, wenn berechtigte Interessen des Arbeitgebers vorhanden sind, eine solche Vereinbarung zu treffen.